Friendly Fire in London
26 07 2005Dass der Begriff Friendly Fire sicher kein Synonym für ein friedliches Lagerfeuer mit Freunden darstellt, ist gerade nach den Medien-Spekateln des Golf- und Irak-Krieges jedem klar geworden. So wurde auf Seiten der Amerikaner im Zweiten Weltkrieg 22.000 Opfer des Friendly Fires verbucht, im Vietnamkrieg 8.000 und im Golfkrieg noch 35. Das sagt auf jeden Fall das Pentagon, und wem kann man nicht mehr glauben als genau jenem..
Nun, ein Opfer des Friendly Fires
(oder auch hostile-fire genannt, klingt aber viel zu hart, nicht wahr?)
konnte man nun bei den jüngsten Terror Anschlägen in London
verzeichnen. In einem Krieg der neuen Generation. Der "Unsichtbare Feind"
ist der Inbegriff des neuen Krieges. Und he, bei diesen fallenden
Tendenzen der Opfer des FFs (denn "wo gehobelt wird, da fallen Späne")
kann man sich doch mal irren...
Oh weh, viele Dinge machen mir Angst, das geht von Verona Feldbusch
Pooth bis zu Autofahrern, die mir den Radweg zur Arbeit zur
Spießrouten-Fahrt gestalten. Schlimm ist die Tatsache, dass man mit
einem Kopfschuss auf einen Verdächtigen schießt, noch schlimmer, dass
es ein Unschuldiger war. Das macht macht mir auch Angst.
Natürlich macht mir auch dieser Terrorismus Angst, aber viel mehr die
damit verbundene Sicherheitpolitik. Wenn Schily den Geheimdienst mehr mit der Polizei
verknüpfen will, die Polizei mehr mit dem Staat arbeiten soll, dann
geht es langsam auch mich etwas an - dann wird die Wahrscheinlichkeit
größer, selbst auch mal dummerweise in der Schusslinie zu stehen. Bis vor
nicht langer Zeit war ich der Meinung, dass mehr Überwachung mir
mehr Sicherheit brächte - aber ist das nicht alles eine Selbstlüge? Ist
diese Politik nicht ein Zeichen dafür, dass die Politiker diesem
Problem genauso hilflos ausgeliefert sind wie jeder andere auch?
Spätestens wenn in Deutschland eine Bombe hochgeht, wird sich genau das
nämlich bestätigen. Genauso wie es nun in London bittere Wahrheit geworden ist.
Denn je mehr ich versuche meine Angst durch Sicherheitsvorkehrungen und
Überwachung des Staates künstlich zu mindern, umso mehr mache ich mein
Ziel für Terroristen interessanter. Heißt das aber gleichzeitig, dass man durch Ignorieren solcher Anschläge, den Terror bekämpft? Nein, natürlich nicht.
Aber: London hat wohl die höchste Dichte an Überwachungskameras in ganz
Europa - man sagt, dass es quasi unmöglich wäre durch London zu gehen,
ohne nicht stets von mindestens einer Kamera überwacht zu werden.
Es gibt - auch nach knapp 40 Jahren
Videoüberwachung - immer noch keine ernsthaften Studien, die in der
Videoüberwachung des öffentlichen Raumes eine Möglichkeit zur Steigerung der
Sicherheit oder auch nur des Sicherheitsgefühls sehen. Ganz im Gegenteil.
Was bringt es also der Sicherheit? Wenn ich ein Extremist wäre und mich gar
selbst in die Luft sprengte, dann wäre mir sowas entweder egal oder
hätte einen gewissen Reiz.
Ich habe kürzlich wieder den wundervollen Film "Mathilde" (Un long dimanche de fiançailles) gesehen, und dort blieb mir ein Zitat bis jetzt im Kopf, welches dort, bezogen auf den ersten Weltkrieg, auch auf diese heutige Problematik zutrifft - "Gegenangriff ist der schlimmste Angriff".
Kategorien : Politik
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