Aug
28
Solange ich selbstständig denken und entscheiden kann, bin ich verdammt neugierig. Besonders wenn es um andere Menschen geht. Okay, diese These ist sehr allgemein gehalten. Wirklich großes Interesse habe ich Personen wie Schiller oder Goethe leider nie gezeigt - zumindest nicht in einer Zeit wo ich es hätte tun sollen. Mich begiert es umso mehr, Menschen in meinem Umfeld zu beobachten. Das Wort "beobachten" ist dabei sogar noch schmeichelhaft gewählt. Denn ich glotze Leute an - ja, ich gaffe gerne, ohne dabei gleich von Voyeurismus zu reden.
Ich könnte mich zum Beispiel stundenlang irgendwo hinsetzten und Leute anschauen. Ihre gewissen Ticks erkennen, beobachten wie sie zum Beispiel immer an der Nase kratzen, wenn sie etwas erzählen oder überhaupt, mir vorstellen, was die wohl so machen.
Zum Beispiel habe ich auf einem Flug von München nach Hamburg den Mann beobachtet, der direkt neben mir weilte. Ein gut genährter Mann mittleren Alters, dünnes Haar und äußerst adrett gekleidet, seine Nase mit einer dicken Hornbrille verziert. Er hielt ein Buch in den Händen, aus dem ich ohne große Mühe mitlesen konnte (was ich natürlich getan habe). Interessant war daran mehr die handgeschriebene Signatur auf der ersten Seite von seiner Freundin, als der eigentliche Text des Buches. Der Text seiner Geliebten lautete ungefähr wie folgt. "Lieber XYZ, hier ein Buch welches Dich an mich und uns erinnern soll. Alles Gute auf Deiner Reise nach München - ich freue mich auf Dich. Dein Schatz ABC."
Aus der immer größer werdenen Hektik des Mannes schloß ich, dass er es schlichtweg verpeilt hatte, diesem liebevollen Geschenk während seiner Reise auch nur annähernd Beachtung zu schenken. Es werden allerdings viele Fragen seitens der Freundin kommen. So muss also der Flug reichen, zumindest soviel zu lesen, wie es ausreicht, unangenehme Fragen wie "Und gefiehl Dir mein Geschenk?" souverän zu beantworten.
So fing er also an zu lesen - erst konzentriert Zeile für Zeile. Später jeden zweiten Absatz. Zuletzt nur noch alle 2-4 Seiten. So kämpfte er sich also durch das Buch - und mit ihm natürlich ich.
Als er schließlich das Buch nach einer Stunde zusammenknallte und hochblickte, bemerkte er, wie auch ich bei diesem Knall zusammenzuckte. Wir beide grinsten uns wissend an und er meinte: "Wird schon irgendwie." Wissend zurücknickend machte ich ihm Mut: "Sie hat es sicher gut gemeint, ja."
So gut läuft es aber natürlich nicht immer. Viele Menschen spüren Blicke. Wittern quasi meinen brennenden Blick. Abgesehen davon ist "Anglotzen" in manchen Kulturen nicht gerade ein Kompliment (okay, wo ist es das schon). So wurde ich bereits von Freunden eingeweiht, bitte hier oder da nicht "so zu glotzen." "Wir wollen ja keine Schwierigkeiten bekommen."
Oder Mathias meinte gar in Brisbane, als wir stundenlang in der Fussgängerzone Leute beobachteten, und uns Dinge über sie überlegten, ich bräuchte einen Gafferstuhl.
Ja so eine Art Zahnarzt-Stuhl - mit Videokamera, Fernglas, Lautsprecher, Notizblock usw. - eben was der geneigte Gaffer so braucht. Noch besser: ein ausfahrbarer Arm, mit dem man vorbeieilende Leute antippen kann... ach ja.
Dennoch gibt es nichts schöneres als Menschen zu beobachten. Sich zu überlegen, was sie wohl für eine Geschichte mit sich tragen. Sich vorzustellen, was sie gerade gemacht haben und vor haben. Das Leben erzählt eben immer noch die schönsten Geschichten, oder?
Und Du da! Finger aus der Nase! Hahaha.
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Ich könnte mich zum Beispiel stundenlang irgendwo hinsetzten und Leute anschauen. Ihre gewissen Ticks erkennen, beobachten wie sie zum Beispiel immer an der Nase kratzen, wenn sie etwas erzählen oder überhaupt, mir vorstellen, was die wohl so machen.
Zum Beispiel habe ich auf einem Flug von München nach Hamburg den Mann beobachtet, der direkt neben mir weilte. Ein gut genährter Mann mittleren Alters, dünnes Haar und äußerst adrett gekleidet, seine Nase mit einer dicken Hornbrille verziert. Er hielt ein Buch in den Händen, aus dem ich ohne große Mühe mitlesen konnte (was ich natürlich getan habe). Interessant war daran mehr die handgeschriebene Signatur auf der ersten Seite von seiner Freundin, als der eigentliche Text des Buches. Der Text seiner Geliebten lautete ungefähr wie folgt. "Lieber XYZ, hier ein Buch welches Dich an mich und uns erinnern soll. Alles Gute auf Deiner Reise nach München - ich freue mich auf Dich. Dein Schatz ABC."
Aus der immer größer werdenen Hektik des Mannes schloß ich, dass er es schlichtweg verpeilt hatte, diesem liebevollen Geschenk während seiner Reise auch nur annähernd Beachtung zu schenken. Es werden allerdings viele Fragen seitens der Freundin kommen. So muss also der Flug reichen, zumindest soviel zu lesen, wie es ausreicht, unangenehme Fragen wie "Und gefiehl Dir mein Geschenk?" souverän zu beantworten.
So fing er also an zu lesen - erst konzentriert Zeile für Zeile. Später jeden zweiten Absatz. Zuletzt nur noch alle 2-4 Seiten. So kämpfte er sich also durch das Buch - und mit ihm natürlich ich.
Als er schließlich das Buch nach einer Stunde zusammenknallte und hochblickte, bemerkte er, wie auch ich bei diesem Knall zusammenzuckte. Wir beide grinsten uns wissend an und er meinte: "Wird schon irgendwie." Wissend zurücknickend machte ich ihm Mut: "Sie hat es sicher gut gemeint, ja."
So gut läuft es aber natürlich nicht immer. Viele Menschen spüren Blicke. Wittern quasi meinen brennenden Blick. Abgesehen davon ist "Anglotzen" in manchen Kulturen nicht gerade ein Kompliment (okay, wo ist es das schon). So wurde ich bereits von Freunden eingeweiht, bitte hier oder da nicht "so zu glotzen." "Wir wollen ja keine Schwierigkeiten bekommen."
Oder Mathias meinte gar in Brisbane, als wir stundenlang in der Fussgängerzone Leute beobachteten, und uns Dinge über sie überlegten, ich bräuchte einen Gafferstuhl.
Ja so eine Art Zahnarzt-Stuhl - mit Videokamera, Fernglas, Lautsprecher, Notizblock usw. - eben was der geneigte Gaffer so braucht. Noch besser: ein ausfahrbarer Arm, mit dem man vorbeieilende Leute antippen kann... ach ja.
Dennoch gibt es nichts schöneres als Menschen zu beobachten. Sich zu überlegen, was sie wohl für eine Geschichte mit sich tragen. Sich vorzustellen, was sie gerade gemacht haben und vor haben. Das Leben erzählt eben immer noch die schönsten Geschichten, oder?
Und Du da! Finger aus der Nase! Hahaha.

