Über Netzsperren und andere irrsinnigen Ideen liest man ja in letzter Zeit mehr als genug. Boris Schneider-Johne hat das eigentliche Problem in seinem Blog wirklich herrlich einfach auf den Punkt gebracht. Sogar so einfach, dass auch Frau von der Leyen das kapieren sollte. Bitte sehr:
Die Bemühungen von der lieben Zensursula und
neuerdings der Bild-Zeitung, die Leute zu verleumden, welche den
absurden Plan einer “Kinderpornosperre” nicht unterstützen, sondern
BESSERE LÖSUNGEN haben wollen, regen mich auch über tausende von
Kilometern hinweg auf.
Frau von der Leyen, vielleicht darf ich ihnen ein einfaches Beispiel
geben. Bitte gehen Sie nach Köln und versuchen Sie von Köln aus, mit
dem Auto nach Düsseldorf zu fahren. Die perfiden Kölner, in ihrer Art
beleidigt zu sein auf Altbier und den Fakt, daß Düsseldorf statt ihrer
die Landeshauptstadt ist, haben nämlích eine Düsseldorf-Sperre
aufgebaut, indem sie auf praktisch allen Autobahn-Schildern so
wunderbare Städte wie “Oberhausen” anzeigen, aber tunlichst alle
Wegweiser Richtung Düsseldorf abgeschafft haben. Ihre sogenannte
“Netzsperre” via DNS Redirect ist genau der gleiche Zinnober. Sie
wollen nur die Schilder an der Autobahn abmontieren.
Dummerweise gibt es aber Straßenkarten, Navigationssysteme, die
deutsche Bundesbahn und den öffentlichen Nahverkehr, die alle Strecke
und Wege nach Düsseldorf anbieten. Schlimmstenfalls läßt man sich
einfach vom Rhein flußabwärts treiben.
Der Plan der Kölner würde nur aufgehen, wenn sie endlich am
Kernforschungszentrum Jülich eine handliche Atombombe bauen würden und
Düsseldorf von der Landkarte tilgen. Dem stehen sicher ethische Gründe
entgegen, aber nur so wird man Altbier los und kriegt das
Landesparlament in den Kölner Dom evakuiert.
Frau von der Leyen, verflucht nochmal, suchen sie die Server mit
illegalen Inhalten und lassen sie diese vom Netz nehmen. Das ist die
ECHTE Strategie, um Kinderpornographie zu bekämpfen. Schnappen Sie sich
die Leute, die solche Inhalte auf die Server stellen, und lassen sie
Staatsanwälte und Gerichte das volle Spektrum ihrer rechtlichen
Möglichkeiten ausschöpfen. Niemand in der Internet-Gemeinde wird da
auch nur einen Funken Gegenwehr leisten, sondern ihnen HELFEN, diese
Leute zu finden und dafür zu sorgen, daß sie solchen Schaden nicht mehr
anrichten können.
Aber eine Infrastruktur bauen zu wollen, die a) gar nicht
funktioniert und b) nur die Begehrlichkeiten von größeren Idioten als
ihnen (“Oh, da kann man sicher auch Killerspiele sperren!”) weckt, ist
ein so absolut hirnverbrannter Plan, daß ich mich frage ob ich ihre
restliche Familienpolitik genau so ernst nehmen darf oder ob sie da
mehr Sachverstand zeigen.
Andererseits: Vielleich sollen wir Sie einfach diese DNS-Redirects
bauen lassen und auch alle anderen kritischen Seiten sperren lassen,
damit Sie und Herr Schäuble sich sicher fühlen. Und wir kaufen uns alle
Premium-Accounts bei OpenDNS und lachen einfach nur über ihre
Wegweiser-Versteck-Politik. Aber heimlich, damit sie nicht merken, daß
das Internet ganz anders funktioniert als Ihnen das irgendein
Staatssekretär erklärt hat.
Zum Schluß ein Disclaimer: Ich bin in Grevenbroich geboren, wo man
eher dem 1. FC Köln zujubelt, und habe jahrelang in Neuss und
Düsseldorf gelebt, daher darf ich mir meinen kleinen Vergleich
erlauben, also bitte keine Hass-Kommentare aus NRW.