Das TV Duell

07 09 2005
Es wurde schon viel darüber gebloggt und in so vielen Foren diskutiert. Doch je mehr ich über die (meist abfallenden) Meinungen vieler Mitbürger lese, desto mehr wird mir klar, dass viele gar nicht wußten und wissen, was und wem dieses Duell überhaupt etwas bringen soll. Nach dem Duell ging es so weiter wie es davor war - eine gnadenlose Schlammschlacht beider Partein. Die Union merkelt (sic!) an der Liebeserklärung von Schröder herum, sie selbst muß eingestehen, dass das Schlußwort von Frau Merkel von einer Reagan-Rede abgekupfert war. SO WHAT!

Ich persönlich bin danach genauso schlau wie vorher gewesen, allerdings in meinem Wunsch besätigt worden, dass es idealer wäre, wenn Herr Schröder zur CDU wechseln würde, denn ich mag diesen Mann. Frau Merkel ist in meinen Augen als Person eine reine Katastrophe, aber es geht hier ja um Politik, nicht um die Gesichtsausdrücke eines Menschen, die man an einer Hand abzählen kann, ich weiß...

Wenn es darum geht, wer der beiden überzeugender war, so finde ich, war es Schröder, auch wenn ich seine Politik nicht teile. Merkel hingegen versucht ohne Pause Deutschland schlecht zu reden, nur um damit an die Macht zu kommen.
Wie auch immer, ich werde das Gefühl nicht los, dass es ganz egal ist, welche Partei regieren wird, wenn letztendlich die Natur und die Globalisierung bestimmen wird, was die Lobbyisten geplant haben. ;-) Ich bin gespannt, und falls es in diesem Blog auch anders klingen sollte - ich weiß genau was ich wähle. :-)

Tja, natürlich wird die CDU gewinnen, aber die wissen ja in ein paar Jahren wie das mit Neuwahlen funktioniert.



Friendly Fire in London

26 07 2005

Dass der Begriff Friendly Fire sicher kein Synonym für ein friedliches Lagerfeuer mit Freunden darstellt, ist gerade nach den Medien-Spekateln des Golf- und Irak-Krieges jedem klar geworden. So wurde auf Seiten der Amerikaner im Zweiten Weltkrieg 22.000 Opfer des Friendly Fires verbucht, im Vietnamkrieg 8.000 und im Golfkrieg noch 35. Das sagt auf jeden Fall das Pentagon, und wem kann man nicht mehr glauben als genau jenem..

Nun, ein Opfer des Friendly Fires (oder auch hostile-fire genannt, klingt aber viel zu hart, nicht wahr?) konnte man nun bei den jüngsten Terror Anschlägen in London verzeichnen. In einem Krieg der neuen Generation. Der "Unsichtbare Feind" ist der Inbegriff des neuen Krieges. Und he, bei diesen fallenden Tendenzen der Opfer des FFs (denn "wo gehobelt wird, da fallen Späne") kann man sich doch mal irren...

Oh weh, viele Dinge machen mir Angst, das geht von Verona Feldbusch Pooth bis zu Autofahrern, die mir den Radweg zur Arbeit zur Spießrouten-Fahrt gestalten. Schlimm ist die Tatsache, dass man mit einem Kopfschuss auf einen Verdächtigen schießt, noch schlimmer, dass es ein Unschuldiger war. Das macht macht mir auch Angst.

Natürlich macht mir auch dieser Terrorismus Angst, aber viel mehr die damit verbundene Sicherheitpolitik. Wenn Schily den Geheimdienst mehr mit der Polizei verknüpfen will, die Polizei mehr mit dem Staat arbeiten soll, dann geht es langsam auch mich etwas an - dann wird die Wahrscheinlichkeit größer, selbst auch mal dummerweise in der Schusslinie zu stehen. Bis vor nicht langer Zeit war ich der Meinung, dass mehr Überwachung mir mehr Sicherheit brächte - aber ist das nicht alles eine Selbstlüge? Ist diese Politik nicht ein Zeichen dafür, dass die Politiker diesem Problem genauso hilflos ausgeliefert sind wie jeder andere auch?
Spätestens wenn in Deutschland eine Bombe hochgeht, wird sich genau das nämlich bestätigen. Genauso wie es nun in London bittere Wahrheit geworden ist.

Denn je mehr ich versuche meine Angst durch Sicherheitsvorkehrungen und Überwachung des Staates künstlich zu mindern, umso mehr mache ich mein Ziel für Terroristen interessanter. Heißt das aber gleichzeitig, dass man durch Ignorieren solcher Anschläge, den Terror bekämpft? Nein, natürlich nicht.
Aber: London hat wohl die höchste Dichte an Überwachungskameras in ganz Europa - man sagt, dass es quasi unmöglich wäre durch London zu gehen, ohne nicht stets von mindestens einer Kamera überwacht zu werden.

Es gibt - auch nach knapp 40 Jahren Videoüberwachung - immer noch keine ernsthaften Studien, die in der Videoüberwachung des öffentlichen Raumes eine Möglichkeit zur Steigerung der Sicherheit oder auch nur des Sicherheitsgefühls sehen. Ganz im Gegenteil.

Was bringt es also der Sicherheit? Wenn ich ein Extremist wäre und mich gar selbst in die Luft sprengte, dann wäre mir sowas entweder egal oder hätte einen gewissen Reiz.

Ich habe kürzlich wieder den wundervollen Film "Mathilde" (Un long dimanche de fiançailles) gesehen, und dort blieb mir ein Zitat bis jetzt im Kopf, welches dort, bezogen auf den ersten Weltkrieg, auch auf diese heutige Problematik zutrifft - "Gegenangriff ist der schlimmste Angriff".


Terror in Zahlen

11 07 2005

Der Tag der verheerenden Anschläge am 7. Juli in London ist vorbei, dessen tragischer Tenor der Hintergründe, der vielen Opfer und der abartigen Politik dahinter ist allerdings noch lange nicht verklungen - ganz im Gegenteil.
Es ist grausam, ja. Genauso grausam finde ich es allerdings, wie zum Beispiel ein Attentat in der Türkei, an einem Bad- und Ferieneort, der vor allem auch uns Deutsche interessieren sollte, nur nebensächlich erwähnt wird. Nein, das ist sicher auch nichts neues.

Naja, was ganz anderes, dennoch interessantes, bietet die Internet-Zugriffsstatistik von dem britischen Nachrichtensender BBC (bbc.co.uk) am Tag der Abschläge:

At around 12 noon on the 7th July, a peak bandwidth of over 11 gigabits/sec was reached. The slight disparity between the two “Max Out” values is caused the load affecting recording statistics The previous day’s announcement of 2012 Olympics being awarded to London caused a peak of around 5 gigabits/second.

The previous all time high was caused by the announcement of the Michael Jackson verdict, which used 7.2 gigabits/second



(Quelle und Details: BBC - Statistics about bbc.co.uk on 07/07/2005)


Was war, was ist - Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg

06 06 2005
Ich habe durchaus schon viele Reden zu den unterschiedlichsten Themen in meinem Leben gehört. Doch selten hat mich eine solche derart beeindruckt wie die des Schriftstellers Dieter Wellershoff, dessen Rede über seine Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg am gestrigen Sonntag auf dem Deutschlandfunk - Kultur Sender ausgestrahlt wurde.

Historische Erinnerung, sagt der Schriftsteller Dieter Wellershoff, ist gespalten in unzählige persönliche Erinnerungen, und das Ganze kann sich nur aus vielen Erzählungen zusammensetzen. Der utopische Treffpunkt aller Erzählungen wäre ihre Vereinigung in gegenseitigem Verstehen. Ein Beitrag hierzu war der Vortrag, den Wellershoff am vergangenen Sonntag in Köln zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit hielt.

Er schildert seine Erlebnisse, seine Funktion als Soldaten in diesem gigantischen Apparats, aber auch den Beginn seiner Kindheit, hineingeboren in eine Generation, die "in den Fackeldunst und Fahnenmeer des Nazireiches hineinwuchs".

Er hinterfragt, fragt sich selbst - versucht die Schuldfrage zu klären.

Wie gut, dachte ich heute, dass es doch das Internet gibt. Nur wenig Recherche brachte mich sogar zu der gehörten Rede, die man sich bequem als MP3 herunterladen kann. Ich kann dies nur empfehlen.



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